Erfolgreiches Gemeinschaftsprojekt

Die Arnz Flott GmbH hat bei der Neuentwicklung der Tischbohrmaschine TB 13 Plus an sich
und die beteiligten Partner Bergisches Institut und habemus! hohe Anforderungen gestellt. Nicht
ein weiterer Bohrmaschinen-Typ war das Ziel, sondern Bohrtechnologie, die der Zeit auf Jahre voraus ist. Wir unterhielten uns mit Dr. Karl-Peter Becker, geschäftsführender Gesellschafter der Arnz Flott GmbH, und Ralf Aßmann, Geschäftsführer Bergisches Institut für Produktentwicklung und Innovationsmanagement gGmbH, über Zielsetzungen des gemeinsamen Projektes und deren Umsetzung. (pz)

INDUSTRIEBEDARF: Herr Dr. Becker, Herr Aßmann, auf der diesjährigen Internationalen Eisenwarenmesse stellten Sie Ihre gemeinsam entwickelte Tischbohrmaschine TB 13 Plus vor. Das ausgeklügelte Design verschaffte dieser Innovation einen Platz unter den Top 10 des auf der Messe vergebenen „Eisen 2012“-
Awards. Welche Zielgruppen möchten Sie mit Ihrem neuen Produkt besonders ansprechen?

Dr. Karl-Peter Becker: Mit unserer neuen Maschinengeneration TB Plus sprechen wir ganz gezielt den qualitätsorientierten Anwender aus den Bereichen Industrie, Handwerk und Ausbildung an. Das Vorgängermodell TB 13 fand darüber hinaus sehr häufig in Behinderteneinrichtungen Anwendung. Deshalb haben wir bei der Entwicklung unserer neuen Tischbohrmaschinengeneration ganz besonderes
Augenmerk auf eine bestmögliche Nutzbarkeit dieser Maschinen durch unsere behinderten Mitmenschen gelegt. Unsere Maschinen werden gerade in diesem Anwendungsbereich die Arbeit erheblich
vereinfachen helfen. Hinzu kommt, dass die Summe der positiven Eigenschaften auch durch den normalen Anwender als sehr positiv und hilfreich beurteilt wird.

Ralf Aßmann: Die Maschine sollte aus gebrauchsfunktionaler Sicht für möglichst viele Anwender optimiert werden. Auch die Zielgruppe der Händler/Einkäufer Handel sollte angesprochen werden.

IB: Welche Funktionalitäten waren für diese Zielgruppen besonders gefragt und inwieweit bestand bei den älteren Produktversionen diesbezüglich noch Optimierungsbedarf?

Becker: Wir haben uns eigentlich bemüht, ein vorhandenes und bereits ca. 25 Jahre altes Maschinenkonzept vollständig abzulösen. Unsere abgelöste Tischbohrmaschinengeneration war, einmal abgesehen von der hohen Produktqualität, nicht anders einsetzbar als viele vergleichbare Maschinen unseres Wett-bewerbs. Ich denke, dass unsere neue Generation von TB-Plus-Maschinen dem
Anwender neben der einzigartigen Ergonomie neue Einsatzbereiche erschließt. Hier möchte ich den enormen Drehzahlbereich einmal als Beispiel nehmen. Unsere TB 13 Plus z. B. bietet einen stufenlos regelbaren Drehzahlbereich von 40 bis 4000 U/min. Dies ermöglicht eine Vielzahl von neuen Bearbeitungen, die vorher nicht möglich waren. Zusätzlich verfügt die neue Maschinengeneration über eine integrierte, elektronisch geregelte Gewindeschneidfunktion. Zusammen mit den vielen Verbesserungen hinsichtlich der Ergonomie haben wir mit dieser neuen Tischbohrmaschine ein wohl zurzeit einmaliges Produkt am Weltmarkt platzieren können.

IB: Welche konkreten Anforderungen erhielten Sie, Herr Aßmann, aus dem Hause Flott für die Entwicklung der TB 13 Plus?

Aßmann: Die TB 13 sollte im ersten Schritt komplett analysiert werden. Nach der Präsentation unserer Handlungsanalyse und den daraus resultierenden Empfehlungen des Institutes wurde gemeinsam mit der Firma Flott festgelegt, welche gebrauchsfunktionalen, technischen und ästhetischen Verbesserungen in die neue Maschine einfließen sollten.

IB: Und wie sieht die konkrete Umsetzung aus?

Aßmann: Wir haben uns den gesamten Prozess der Nutzung angesehen und sind auf verschiedene verbesserungswürdige Punkte gestoßen. So wurden beispielsweise die Nuten zum Aufspannen des Werkstückes verändert und dadurch eine große Flexibilität erreicht, und statt wie beim Ursprungsmodell die komplette Maschine über Drehen eines nur schwer erreichbaren Handrades auf der Oberseite der Maschine näher zum Werkstück zu bringen, wird bei der TB Plus der Tisch mit dem Werkstück in
Position gebracht. Der Nutzer spart dabei Kraft und Zeit. Die Stellteile sind ergonomisch überarbeitet worden, um z. B. aus kraftschlüssigen Betätigungen formschlüssige Kraftübertragungen zu ermöglichen. Dieses bringt insbesondere bei verschmutzten Händen eine deutliche Verbesserung der Maschinenbedienung. Eine durchdachte Struktur des Bohrmenüs und die sinnvolle Anordnung der
Stellteile machen die Bedienung selbsterklärend.

IB: Herr Becker, liegen Ihnen bereits erste Erfahrungswerte aus dem Einsatz bei Ihren Kunden vor?

Becker: Bis jetzt haben wir durchweg positive Kritiken aus unserem Kundenkreis erhalten, einmal davon abgesehen, dass wir bei Markteinführung natürlich den Bedarf unserer Kunden schätzen mussten. Bedingt durch die höhere Nachfragekam es leider zu längeren Lieferzeiten, die wir mittlerweile aber im Griff haben.

IB: Aus welchen Branchen kommen bis dato die meisten Anfragen und in welchen Betriebsbereichen kommt die TB 13 Plus bevorzugt zum Einsatz?

Becker: Die vorliegenden Bestellungen zeigen, dass eigentlich jede Branche, die bis 13 mm Bohrleistung benötigt, unsere neue TB-Plus-Serie gut annimmt. Wir haben unter anderem Bestellungen aus den medizinisch-technischen Bereichen, der Forschung, der Luft- und Raumfahrt, der Industrie, den automotiven Bereichen bis hin zum Handwerk vorliegen. Zusätzlich bedienen wir den schulischen Bereich und eine Vielzahl von Bereichen mit öffentlichen Trägerschaften. Allerdings kommen unsere geschätzten Flott-Kun-
den schon immer aus diesen Bereichen … Darüber hinaus haben wir sogar etliche Bestellungen aus dem Heimwerkerbereich abwickeln dürfen.

IB: Wie lange hat die Arnz Flott GmbH bereits das Bergische Institut für sein Produkt-Design mit im Boot? Sind bereits weitere neue Produkte in der Entwicklung?

Becker: Die neuen TB-Plus-Tischbohrmaschinen sind das erste Projekt, welches wir zusammen mit dem Bergischen Institut auf den Weg gebracht haben. Es hat sich gezeigt, dass wir zusammen
ein wirklich gutes Produkt auf die Beine stellen konnten. Jetzt gilt es die technischen Innovationen
in das weitere Flott-Maschinenprogramm zu überführen. Es war stets unsere Zielsetzung, die Vielzahl der erarbeiteten Verbesserungen mit Blick auf unser gesamtes Bohrmaschinenprogramm zu entwickeln und dann zu übertragen. Die TB-Plus-Serie macht hier nur den Anfang.

IB: Herr Dr. Becker, Herr Aßmann, vielen Dank für das Gespräch.

Quelle: Industriebedarf Nr. 6/7 Juni/Juli 2012


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